Absolute Ehrlichkeit und Absichtslose Offenheit

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Ich suche immer wieder nach einfachen Worten, um das zu beschreiben, was ich gerne den "organischen Weg" nenne.

Eine meiner aktuellen Lieblingsbeschreibungen ist, dass sich dieser Weg (besonders in der Anfangsphase) im Grunde auf zwei wesentliche Essenzen reduzieren lässt:

Absolut aufrichtige Ehrlichkeit und Absichtslose Offenheit.


Absolut aufrichtige Ehrlichkeit

Ehrlichkeit meint die Ehrlichkeit vor allem mit mir selbst, mit allem, was ich fühle. Es bedeutet auch die Ehrlichkeit über die Tatsächlichkeit jedes Moments: die Fähigkeit zur reinen, ehrlichen Wahrnehmung von dem, was gerade tatsächlich der Fall ist, zu unterscheiden, was ich wirklich erlebe, und was ich bloß glaube oder interpretiere. Es bedeutet die Ehrlichkeit mit anderen Menschen, die Verpflichtung zur Wahrheit, egal, was es kostet. Und zuletzt bedeutet es auch die Ehrlichkeit über meinen ganz eigenen Weg, meine eigene, unabhängige, innere Wahrheit, die Impulse meiner Seele, nach denen ich handele, und für die ich alle Ideen von "sollen" und "müssen" aufgebe.


Absichtslose Offenheit

Absichtslose Offenheit bedeutet von keinem Moment, keiner Handlung, keinem Ereignis und keiner Begegnung mehr ein bestimmtes Ergebnis zu wollen, sondern offen zu sein, für den Fluss des Lebens. Es ist die Bereitschaft, meinen inneren Impulsen pur und absichtslos zu folgen, dem Leben zu begegnen und alles zu fühlen und zu erfahren - in dem Vertrauen, dass es immer meinem höchsten Wohl dient. Ich handele aus einem Gefühl von Wahrheit und Richtigkeit, nicht aus einem Motiv. Ich will nichts erreichen, und folge keinem Plan, sondern meine Loyalität gilt der Wahrheit des Moments und dem Vertrauen auf den Fluss. Dieser Wahrheit zu folgen, ist wichtiger als ein Ergebnis, ist wichtiger als Sicherheit, ist wichtiger als Kontrolle.


Der Fluss erledigt die Arbeit

Diese beiden einfachen Essenzen sind in meinen Augen sehr wichtige Schlüssel für den organischen Weg. So simpel sie auch klingen, sie können sehr kraftvoll sein. Überlege mal, wie es dein Leben verändern würde, wenn du absolut radikal nur diese beiden einfachen Dinge integrieren würdest?

Ehrlichkeit und Absichtslosigkeit sind unsere Kooperation mit dem Leben. Die Bewegung in Richtung Befreiung ist eine natürliche. So wie jede Pflanze ganz natürlich aus dem Samen dem Licht entgegenwächst, zieht es uns als Menschen in die Freiheit. Es gibt einen energetischen Fluss, der uns trägt, der unser Leben auf eine Weise formt, die ganz und gar unserem inneren Wachstum dient. Wir müssen das nicht machen, es ist uns allen schon immer gegeben, es ist unsere Natur.

Da ist also keine eine Anstrengung, die wir unternehmen müssen, kein etwas, das wir erreichen müssen - es ist vielmehr ein Loslassen, ein totales Aufgeben. Es ist eine Art, mit den Ereignissen des Lebens umzugehen. Den Weg zu gehen bedeutet das Loslassen von Widerstand und Anhaftung, von Kontrolle und Glauben, ein tiefes Aufgeben und Fallenlassen in reines Sein mit dem was ist. Wir müssen das nicht tun. Der Fluss erledigt die Arbeit - wenn wir es nur zulassen. Wenn wir bereit sind, all das zu erfahren, was auftaucht, wenn wir bereit sind, mit dem Fluss zu fließen, alles gehen zu lassen, was er fortträgt, alles anzunehmen, was durch ihn zu uns getragen wird, und in jedem Moment ehrlich und absichtslos unserer tiefsten Wahrheit zu folgen. Von Moment zu Moment.

Für mich, und ich denke für sehr viele, bedeutet das vor allem ein Entspannen des Denkens und ein immer tieferes Fallen ins reine Spüren. Ein inneres Lauschen auf den Fluss, auf die Impulse der Seele und ein einfaches, ehrliches und furchtloses Handeln nach diesen Impulsen. Es ist diese eine einfache Übung, die mich immer wieder an meine Grenzen bringt, meine Anhaftungen und inneren Verspannungen. Es ist diese eine Übung, die einen so großen Unterschied machen kann.

Für mich ist der Fluss eine spontane Wahrheit des Augenblicks, die Summe aller Ereignisse im Universum zu demjenigen Fluss der Dinge, der zum höchsten Nutzen allen Lebens ist. Dieser Fluss geschieht immer, in jedem Moment, einfach weil es das Wesen der Natur ist.

 

Reine Präsenz

Was hindert uns daran, in dieser einfachen, leichten Art zu leben? Was hindert uns, uns fallen zu lassen in die Arme des Universums, einfach diesem inneren Wissen zu folgen, einem Wissen, das kein Denken und keinen Intellekt erfordert - einer Intelligenz, die in jeder Pflanze wohnt, die eine natürliche Eigenschaft des lebendigen Universums ist, ein Phänomen so gewöhnlich wie das Atmen?

Ich denke, es sind Anhaftung und Angst. Unsere Verstrickung in das Drama unseres Verstandes und das Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit.

Die gute Nachricht ist, dass sich das ganze Universum eigens zu dem Zweck verschworen hat, uns von all diesen Dingen zu befreien. Wir müssen das nicht tun, der Fluss erledigt sogar diese Arbeit. „Das Fallen wird zum Schweben, wenn man aufhört, sich an Dingen festzukrallen,“ habe ich gerade in einem Song gehört. Und so ist es. Es ist das einfache Vertrauen, dass wir das, was wirklich zu uns gehört, nicht verlieren können, und das, was nicht zu uns gehört, nicht festhalten.

Alles, was wir tun müssen, ist unsere aufrichtige Aufmerksamkeit auf all jene Stellen zu richten, an denen wir gebunden sind, Angst haben, verspannt sind. Reine Aufmerksamkeit allein genügt, um zu heilen - wenn sie völlig absichtslos, ehrlich und offen ist.

Was immer in uns auftaucht - seien es Gedanken, Gefühle, Ahnungen oder Wünsche – alles, was es braucht, ist die Fähigkeit, diese völlig wahrzunehmen, als das, was sie sind. Die Erfahrung zu sein, ohne ihrem Zauber zu erliegen, aber auch ohne uns von ihr abzuspalten, ohne zu bewerten oder zu analysieren - und ohne zu machen. Einfach zu sein, als reine expansive Wahrnehmung, in absolut aufrichtiger Ehrlichkeit und absichtsloser Offenheit.

Wenn das gelingt, kommen die richtigen Worte, geschehen die richtigen Dinge, handeln wir automatisch im Einklang mit dem Leben um uns herum. Dazu müssen wir nicht wissen, nicht analysieren, nicht verstehen. Wir brauchen nur schauen, lauschen und spüren.

Der kürzeste Ratschlag auf fast alle Fragen lautet: "Fühl einfach nur."
Fühl absolut, ohne einen Zentimeter zwischen dir und der Erfahrung. Sei reine Erfahrung, ohne Trennung. Sei Absichtslose Offenheit.


Die Einfachheit reinen Seins

Es gibt nicht wirklich ein "Wie?". Alle Methoden sind nur Tricks, die den Verstand zur Aufgabe zwingen sollen, ihm etwas zu tun geben, damit er dem Sein nicht in die Quere kommt oder um die Aufmerksamkeit an Stellen zu führen, wo der Verstand sie nicht hinlassen möchte. Das Motiv ist nicht Erfolg. Der Weg besteht aus Fallen und Aufstehen, aus dem Verlorengehen und Zurücksinken in die Einfachheit des Seins. Das Motiv ist Wahrheit und Freiheit.

Absolut aufrichtige Ehrlichkeit und Absichtslose Offenheit sind sehr hilfreiche Anker auf diesem Weg. Wie ist es, diesen Moment zu erfahren, ohne etwas über ihn zu glauben und ohne etwas von ihm zu wollen? Wie ist seine wirkliche So-heit? Wie ist deine Erfahrung, ohne etwas über dich zu glauben? Da ist nur Bewusstsein und eine Erfahrung. Und die beiden sind nicht zu trennen, denn jeder Zentimeter der Erfahrung ist aus Bewusstsein gemacht. Aber für eine Zeit ist im Bewusstsein eine Trennung von der Totalität der Erfahrung. Eine Abspaltung, ein Ego, eine Distanz zur So-heit des unendlichen Moments. Du kannst diese Lücke wieder schließen.

Absolut aufrichtige Ehrlichkeit und Absichtslose Offenheit können eine Angewohnheit werden, eine neue Perspektive auf das Leben. Je tiefer man sie lebt, desto mehr lockert sich der Griff der Anhaftung an Dinge oder Ziele, desto mehr blüht reines Sein. Je sanfter und durchdringender wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Fesseln lenken, desto leichter lösen sich ihre Knoten. Immer mehr entblättert sich unser Sein als reine Wahrnehmung, die leere Stille der Präsenz, getränkt vom saftigen Geschmack des Lebens.

 

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