Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe

Die Definition von Arbeit für die Zukunft lautet: „Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe“ (Khalil Gibran). Arbeit ist Leben, aber Leben ist nicht Arbeit, sondern Spiel. Arbeit ist das Spiel, durch welches sich unsere Liebe ausdrückt. Unsere Liebe zu uns(erem) Selbst, zu unseren einzigartigen Talenten, zur Erde und der Menschheit.

 

Arbeit: eine unnütze Erfindung

Arbeit gibt es gar nicht. Wir haben sie uns ausgedacht. Es heißt, viele indigene Völker hätten überhaupt kein Wort für Arbeit. Wozu auch: Das Konzept macht für sie schlicht keinen Sinn. Kochen, Handwerk, Ernte – das ist doch Leben! Und wenn wir nicht mit der gleichen Liebe das Feld bestellen, wie wir abends am Feuer singen – was für ein trauriges Leben führen wir dann?

Arbeit ist der Ausdruck unserer Liebe zu uns selbst und unser Geschenk an die Welt. Produktivität, Schöpferkraft und Kreativität sind spirituelle Qualitäten, die wir in der Natur überall erblicken können. Nichts ist produktiver und kreativer als die Schöpfung selbst.
Auch wir sind dafür geboren. Tief in unseren Herzen blüht der Wunsch nach Ausdruck, nach Erforschen und Kreation, es ist unser Wesen. Unsere Seele ist hier um sich auszudrücken, Göttlichkeit sichtbar zu machen, zu spielen, zu erfahren, zu entdecken und kreieren.

Für jeden ist es ein anderes Spiel, dass er nicht Arbeit nennt, sondern Selbstverwirklichung. Denn wir alle kommen mit einzigartigen Talenten, Fähigkeiten, Interessen und Qualitäten auf diese Welt. Wir kommen nicht hierher, um zu konsumieren, sondern um zu schenken und uns auszudrücken. Um die Welt zu bereichern mit unserer Anwesenheit, um unseren schöpferischen Beitrag zu leisten, unsere Note hinzuzufügen zur ewigen Symphonie des Kosmos. Wir sind hier für Spiel, Ausdruck und Freude und tief in unseren Herzen wissen wir das – diese Sehnsucht ist keine Utopie, sie ist der Weckruf aus der Illusion.

 

Folge der Freude

Unsere Gesellschaft sieht anders aus: Arbeit ist notwendiger Zwang, nicht selten eine Qual, eine menschenverachtende, die Seele verstümmelnde Tortur. Sinnentleert und dem Herz entfremdet. Doch die Zahl der Menschen, die sich in diesen Wahnsinn nicht mehr einfügen kann und will, steigt ständig. Wir alle sollten es eigentlich verweigern, dieses Spiel zu spielen. Für wen auch?

Das Zitat von Khalil Gibran, dass ich in der Einleitung verwendet habe, geht eigentlich noch weiter und enthält eine erstaunliche Forderung:

„Es ist euch immer gesagt worden, Arbeit sei ein Fluch und Mühsal ein Unglück. Aber ich sage euch, wenn ihr arbeitet, erfüllt ihr einen Teil des umfassendsten Traums der Erde, der euch bei der Geburt dieses Traums zugeteilt worden ist. […] Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe. Und wenn ihr nicht mit Liebe, sondern nur mit Widerwillen arbeiten könnt, lasst besser eure Arbeit und setzt euch ans Tor des Tempels und nehmt Almosen von denen, die mit Freude arbeiten.“ (Khalil Gibran: Von der Arbeit)

In einer Gesellschaft, in der es heißt: ‚Sei doch froh, dass du Arbeit hast!‘ ein ziemlich ungewohnter Ratschlag. Auch ich glaube: Wir sollten unseren Träumen folgen, unserer Sehnsucht und der Freude. Ja, wir sollten den Freiraum dazu einfordern. Aber wir sollten auch den Mut haben, den Weg der Freude konsequent zu gehen, diese Liebe niemals zu verraten. Ich weiß: die Zwänge, die Miete, das Essen. Dennoch: Was ist denn die Alternative? Und ich glaube auch, dass das Universum langfristig für alle sorgen wird, die wirklich ihrem Herzen folgen.

Das Recht auf Selbstverwirklichung

Jeder Mensch hat nicht das Recht auf Arbeit, er hat das Recht auf eine Arbeit, die seinem innersten Wesen gerecht wird. Und ja: das fordert auch von uns, nicht zu resignieren in einer grauen Welt, sondern uns auf die Suche zu machen nach dem, was da brennt in unserem Herzen. Auf die Suche nach einem Weg, uns selbst und unsere Liebe zu dieser Welt voll zum Ausdruck zu bringen.

Die Frage lautet nicht: Was will ich tun? Sondern: Was bin ich und wie möchte sich das ausdrücken?

Das Universum wertet übrigens nicht: Ob wir eine Oper schreiben, einen Garten pflegen, kochen, heilen, oder Artikel schreiben – für all das und für jeden von uns gibt es einen Platz in diesem großen Ganzen. Wir sollten nicht vergessen: Der Mensch ist Teil der Natur. Und wenn wir wieder lernen, uns zu erlauben, das zu tun, was unsere Seele sich wünscht, dann wird unsere Welt auf ebenso wundersame Weise vollkommen sein, wie es die Natur schon immer ist. Alles an seinem Platz, in Vollkommenheit und Freude.

 

Bilder: Töpfern: Claude Renault; Kinder: Eric Ward

 

1 Kommentar zu „Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe“

  1. Job oder hopp…

    Hallo David,

    Dein Artikel ist zwar schon ein Jahr alt, aber für mich ist er gerade aktuell und das, wonach ich gesucht habe.  Meinen Weg zu gehen habe ich vor ein, zwei Wochen entschieden, besinne mich seither jeden Tag darauf und wenn ich es nicht schaffe, ständig bei mir zu sein und meinem Herzen die Richtungsweisung zu überlassen, so schaue ich immer wieder in meine liebsten Bücher und in den letzten Tagen besonders oft in diese Seiten, um mich zu ermutigen.

    Besonders fühle ich mich durch meinen Job blockiert, der meiner Meinung nach mit dem Leben einfach nichts zu tun hat und ich lasse mir von ihm die Zeit rauben, die ich viel sinnvoller und schöner gestalten könnte. Außerdem ist eine Nebenerscheinung dieses Jobs ein zusätzliches Konsumieren, allein schon die Fahrtkosten! Das ist doch irgendwie krank. Doch – wie Du schon schreibst – die Zwänge halten einen gefangen, die Angst, es finanziell nicht zu schaffen. Dazu kommt die Verantwortung für meine 11-jährige Tochter. Ich weiß, dass mit Vertrauen alles gut werden wird, und doch ist da die Angst. (Man merkt, dass ich "blutige Anfängerin" bin…)

    Ich habe schon zwei Anläufe in die Selbständigkeit versucht, aber es hat nie hingehauen, wahrscheinlich, weil ich auch da nicht das gemacht habe, was "aus mir" kam, sondern was von einem erwartet wird und was vor allem die Wirtschaft unterstützt. Dann ging es wieder in ein Angestelltenverhältnis. Mir ständig sagen zu lassen, tu dies, mach das und mich anmeckern zu lassen, schmeckt mir auch nicht.

    Es war schon immer in mir (wie in uns allen), dieses Pflänzchen Freiheit. Unter anderem mit dem Einstieg ins Berufsleben habe ich es beschnitten oder Blätter verdorren lassen. Aber es stirbt nie, und jetzt zucken seine grünen Triebe, denn es wittert Regen. (Über diesen letzten Satz muss ich jetzt grinsen, aber ich lasse ihn trotzdem stehen.)

    Alles Liebe

    Sonja

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