Unsere Kinder - Lebenslehrer und Herzensöffner

Bild des Benutzers Jasmin

Ich bin immer wieder betroffen, wenn ich Eltern begegne, die ihre Kinder als Menschen zweiter Klasse betrachten und behandeln. Als klein, unerfahren, der ständigen Maßregelung bedürftig, wissenslos und von oben herab. In der einen oder andern Ausprägung begegnet mir das immer wieder und es macht mich traurig, zu beobachten und zu fühlen, wie sehr sich diese Kinder wünschen, gesehen und geliebt zu werden, so wie sie sind. Auch wenn vieles im Umgang mit unseren Kindern unbewusst, frei von irgendwelchen negativen Motiven geschieht, so wünsche ich mir doch, dass alle Eltern ab und zu inne halten würden und sich dem öffnen könnten, was Ihnen das Leben gerade schenkt. 

Ich habe selbst nie geplant Mutter zu werden und habe lange gehadert mit dem Schicksal, jetzt Verantwortung zu übernehmen , selten, aber manchmal tue ich das auch heute noch. Und doch habe ich durch meine Tochter mehr über mich selbst gelernt, als in den ganzen 30 Jahren zuvor. All die Situationen, die mich an meine tatsächlichen Grenzen gebracht haben, waren eine Aufforderung, diese zu verschieben, mich weit(er) zu machen, mich hinzugeben. Manchmal habe ich echt lange gebraucht, um zu begreifen, um was es da eigentlich in mir geht, manchmal war ich viel zu bockig, um überhaupt in diesen Spiegel zu gucken. Doch irgendwann kommt man nicht umhin, das Gespielgelte anzusehen, die Alternative wäre, sein Herz seinem Kind gegenüber zu verschließen.

Der Alltag mit einem Kind ist für mich das grösste Lernfeld überhaupt für bedingungslose Liebe. Nicht, dass ich da in irgendeiner Weise der Meisterschaft nahe wäre, aber der erste Schritt für mich ist diese Erkenntnis selbst. Dass mein Kind mich lehrt. Dass es immer und immer wieder genau da hinbohrt, wo meine Liebe blockiert ist. Mir selbst gegenüber, meinem inneren Kind gegenüber, dem Leben gegenüber. Wo meine Tochter mich früher einfach nur hemmungslos in den Wahnsinn getrieben hat, z.B. durch die allabendliche Weigerung, den Tag mit Schlaf zu beschließen, so ist sie heute, mit 3 Jahren in der Lage, mir zu sagen, was meine Worte und Taten in ihr auslösen. Wut. Trauer. Und damit trifft sie mich direkt ins Herz. Es fällt mir heute um ein so vielfaches einfacher, mich wieder zu öffnen, wenn mich mal wieder die Wut gepackt hat, mich zu entschuldigen, wenn ich daneben lag oder laut wurde, mich selbst zu beobachten und inne zu halten, bevor ich die Kontrolle verlieren. Das alles habe ich den "Coachings" mit meiner Tochter zu verdanken. Und meiner Bereitschaft, mein Kind in gewisser Weise als meinen Herzenslehrer anzunehmen.

Und ich entdecke durch sie wieder meinen eigenen Spieltrieb, meine Lust, sinnloses Zeug zu tun, Seifenblasen fangen, Badewasser trinken, Verstecken spielen, meine Phantasie zu bemühen, um Feen und Wichtel zu erfinden, einen Berg hinunterzukullern, auf der Wiese liegen und einfach nur riechen, auf allen vieren bellend durch die Wohnung zu robben, musizieren, singen tanzen......all das, was wir uns schon so lange verboten haben. Und das schönste ist: ES MACHT MICH TOTAL GLÜCKLICH!

Mit dem tiefen Wissen darum, was Kinder tatsächlich sind, wünsche ich mir von Herzen, sie nicht anders, als auf Augenhöhe zu behandeln, mit Respekt, einer Gleichberechtigung, was ihre Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse angeht und mit einer tiefen Achtung vor ihrem Platz in diesem Leben, ihrer ganz eigenen individullen Schönheit.

In der tiefen Wertschätzung für diese intensive Verbindung unserer Seelen.