Was ist wahr?

Bild des Benutzers Jasmin

Mir begegnet in letzter Zeit gehäuft das Bedürfnis des Menschen, eine allgemeingültige Antwort auf die Fragen des Lebens zu erhalten. Ich bemerke, dass ein Teil unseres menschlichen Wesens der Wunsch ist, die Wahrheit herauszufinden und manch einer hat viel Lebenszeit mit der Suche nach der Wahrheit verbracht. Es wird zunehmend schwieriger, in dem Wust, dem immer größer werdenden Irrgarten aus den verschiedensten Wahrheitskonstrukten und –modellen eine Übereinstimmung herauszufiltern, die etwas Allgemeingültiges enthält. Es scheint sogar, dass diese Anstrengung unglaublich Kräfte zehrend und schier unmöglich ist.  

Überforderung

Durch unsere modernen Kommunikations- und Informationstechniken, durch die immer schnellere Verbreitung von angeblich neuesten Erkenntnissen auf den verschiedensten Gebieten, durch die Öffnung und das hemmungslose Wachsen des esoterischen Marktes entsteht schnell eine Überforderung, weil es eine scheinbar endlose Vielfalt an Wegen zu Glück, Erleuchtung, zu Liebe und Heilung gibt. Und immer wieder die Frage, welchen Weg wähle ich daraus für mich aus. Ist es wahr, sich einem Guru anzuschließen, sich geistigem Heilen zu öffnen, oder ist es wahrer, seinen Weg für sich alleine in der Heilung durch all das, was uns das Leben spiegelt, zu wählen? Muss ich auf eine bestimmt Art und Weise meditieren, bestimmte Techniken erlernen, um mich meinem höheren Selbst zu öffnen? Muss ich mich überhaupt bewusst für einen spirituellen Weg entscheiden, um mir selbst und meiner Bestimmung, um meiner Liebe, der größten Energie überhaupt näher zu kommen? Fragen über Fragen. Ich habe lange Zeit gespürt, dass mich dieses Wirrwarr immer wieder in einen Raum zurückgeworfen hat, in dem ich nur eines zu wissen glaubte, nämlich das ich nichts weiß. Aber ist das tatsächlich der Fall?

Die individuelle Wahrheit

Lange habe ich versucht, an die elementaren Fragen des Lebens vordergründig mit dem Kopf, dem Sitz unseres Verstandes heranzutreten. Mit dem oben beschriebenen Ergebnis. Totale Verwirrung, manchmal auch Leere bis hin zu dem Gefühl, verrückt zu werden, weil mir so  vieles in immer kürzeren Zeitabständen begegnet, weil alles eine gewisse Richtigkeit zu haben scheint und sich doch, oberflächlich betrachtet, oft auch gegenseitig widerspricht.

Irgendwann ist es passiert, wahrscheinlich durch ein Loslassen des krampfhaften Verstehen-Wollens, der getriebenen Wahrheitssuche, dass sich immer mehr mein Herz in diesen vermeintlichen Zwiespalt „eingemischt“ hat. Ich stand wohl irgendwann vor der Entscheidung, entweder verrückt zu werden ob der Vielfalt von angebotenen Wahrheiten oder anzuerkennen, dass es diese eine Wahrheit offensichtlich gar nicht gibt. Das es eine unglaubliche Menge an verschiedenen Wahrheiten gibt, so individuell, wie wir Menschen es in unserer ganz eigenen Schönheit sind. Und das genau das sein darf, nein, dass genau das die Antwort auf meine jahrelange Suche ist. Das es meine ganz eigene Aufgabe ist, diese individuelle Wahrheit allein für mich zu definieren. Wobei es mehr um ein Erspüren dessen geht, was sich für mich wahr anfühlt, hier, heute, genau in diesem Augenblick. Ich erlebe, wie mein Herz mir in der Sprache der Gefühle  sagt, was in jedem Augenblick richtig ist. Wenn ich den Raum dafür öffne. Mit dieser Erkenntnis geht auch langsam einher, dass ich andere absolut in ihrer Wahrheit sein lassen kann, ihre Entscheidungen und die Wege, die sie beschreiten, als ebenfalls wahr anerkennen kann, auch wenn sie sich augenscheinlich sehr von dem unterscheiden, was ich für mich als das Wahre fühle.

Heute glaube ich, dass jeder Weg seine eigene Wahrheit hat, wenn sie vom Herzen bejaht wird. Vom Herzen desjenigen, der ihn beschreitet. Das es genau die Erfahrung ist, die sich diese Seele gewählt hat. Und ich erlebe an mir, dass sich diese individuelle Wahrheit auch wandelt, dass das nicht opportunistisch ist, sondern dass es nur diesen einen Augenblick gibt, der nächste hat einfach seine eigene Wahrheit. Ich spüre, dass auch das ein Loslassen erfordert, mir selbst diesen Wandel zu erlauben. Und erst dann, dass ist meine Erfahrung, fügen sich die einzelnen Puzzlebilder langsam, Stück für Stück zu einem Ganzen, auch wenn jedes einzelne Puzzleteil für sich betrachtet, manchmal im Widerspruch zu den anderen zu stehen scheint. Ich spüre, dass es letztendlich unser Wunsch als Seele und als der Mensch, der wir sind ist, dem Licht, der grenzenlosen Liebe, in der wir einst waren und die unseren Kern ausmacht, wieder näher zukommen, dorthin wieder zurück zu finden.

Dieser Weg führt nur über unser Herz. Und dieser Weg ist einzigartig, für jeden einzelnen von uns. Menschen, die in dem Kontext indigener Völker leben, werden einen ganz anderen Weg beschreiten als ich. Menschen, die nicht bewusst in einem spirituellen Kontext leben, können dem Licht und der Liebe genauso näher kommen, indem sie durch ihr Herz leben.

Ich fühle die große Freiheit, die diese Erkenntnis von Wahrheit für mich beinhaltet. Es gibt nichts, was ich tun muss. Wenn ich meinem Herzen vertraue, wird sich in jedem Augenblick die Wahrheit offenbaren die mir die entsprechenden Schritte wie von selbst aufzeigt. So erlebe ich es immer eindringlicher. Auch wenn ich immer mal wieder in den Zustand von krampfhaften Suchen und Herausfinden gerate, so zeigt mir die Blockierung und die Leere, die in diesen Situationen entsteht, dass ich Loslassen sollte. Und dann wird es oft magisch, im ganz Kleinen und manchmal auch im Großen.

 

Das ist meine ganz persönliche Sicht auf das Thema Wahrheit als Ergebnis meiner aktuellen Erfahrungen und Erlebnisse. Gerne können wir uns darüber in unserem Forum austauschen.