Erdung und Verkörperung

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Eine der größten Herausforderungen auf meinem Weg ist noch immer, in meinem Körper zu bleiben. Das mag seltsam klingen, da sich viele Menschen eine außerkörperliche Erfahrung wünschen und meditieren, um sich "über das Körperbewusstsein zu erheben". Aber tatsächlich haben die meisten wahrscheinlich schon eine "außerkörperliche Erfahrung": Fast alle hellsichtigen Menschen, die ich kenne, haben mir bestätigt, dass sie kaum je einen Menschen getroffen haben, der mehr als 20 Prozent in seinem Körper ist.

Aber was bedeutet das überhaupt und warum sollte es so wichtig sein?


Fluchttendenzen

Meine eigene Erfahrung ist, dass es eigentlich um zwei Dinge geht:

1. Verkörperung (der Astralkörper sitzt vollständig "im" physischen Körper)
2. Erdung (Energieverbindung mit Gaia)

Die beiden sind eng verbunden, aber wirkliche Erdung kann nur stattfinden, wenn wir wirklich verkörpert sind. Das erklärt, warum viele Menschen Probleme haben, über Visualisationen (z.B. von Wurzeln) und ähnliche Techniken Erdung zu erreichen: Visualisationen bringen uns oft auf die mentale oder feinstoffliche Ebene und können so einer Verkörperung sogar entgegenwirken.

Warum aber sind so viele Menschen nicht verkörpert?  Aus Angewohnheit und aus Angst, zu fühlen: Der Astralkörper wird auch unser Emotionalkörper genannt, er 'speichert' sozusagen unsere Emotionen. In traumatischen Situationen (und das können gerade in der Kindheit auch sehr kleine, scheinbar unbedeutende Dinge sein) flüchten wir vor unseren Emotionen, indem der Astralkörper sich leicht nach oben aus dem physischen Körper heraushebt (das ist nicht ganz korrekt, aber wir nehmen es mal als Bild).

So entsteht ein Space-Out, ein Abstand zu den Emotionen, die wir nun nicht mehr wirklich fühlen können. Ich selbst kenne das zum Beispiel aus Beziehungsstreits, wo plötzlich eine Art abgehobener Zustand entstand und ich plötzlich gar nichts mehr fühlen konnte. Opfer von Missbrauch und Unfällen berichten sogar, wie sie sich selbst völlig gleichgültig in der Situation beobachten konnten, ohne irgendetwas zu fühlen.


Verkörperung: Die Grundlage für alles

Nicht zu fühlen ist zwar genau das, was wir in dem Moment wollen, führt aber später zu Problemen. Denn all diese unerlösten Gefühle sammeln sich als energetischer Ballast an und drängen auf Erlösung. Sie müssen sich durch den Körper ausdrücken dürfen, um losgelassen zu werden. Und als Seele können wir auf unserem Weg nicht wirklich weiterkommen, wenn wir uns unseren Gefühlen verweigern.

Ohne Verkörperung ist weder Heilung, noch spirituelles Wachstum, noch wirkliche Nähe, noch ein erfolgreiches Handeln in der Welt möglich. Einer der Gründe, warum ich mit manchen Dingen nicht weiterkam, war, dass keine Heilung geschehen konnte, solange ich nicht wirklich in meinem Körper war. Ich wollte mich den Emotionen nicht wirklich stellen. Zwar näherte ich mich den Gefühlen, aber ich "ging nicht wirklich hinein" - selbst wenn es sich für mich subjektiv so anfühlte, als wäre es schon mehr als genug. So kann man viel Zeit mit einer Sache verbringen, ohne sie je wirklich zu erlösen - man kratzt quasi permanent an der Oberfläche herum und fügt sich unnötigen Schmerz zu.


Verkörperung: Der Unterschied zwischen Erwachen und Erleuchtung

Auch in spiritueller Hinsicht bin ich mittlerweile der Meinung, dass es nicht so sehr darum geht, „in hohen Ebenen herumzuhühnern“ (Astralreisen etc.) sondern darum, unser Licht hierher, in diese Welt und den Körper zu bringen. Das ist für mich auch der Unterschied zwischen Erwachen und Erleuchtung. Erwachen ist das Erkennen, dass wir Seele sind. Erleuchtung ist eine vollständige Verkörperung der Seele.

Nach meinem Erwachen hielt ich mich lange Zeit für erleuchtet, ich fühlte entweder großes Glück, oder stand in schwierigen Situationen einfach darüber und war nur ein neutraler Beobachter – ich hielt das für Präsenz. Heute kann ich sehen, dass ich während dieser ganzen Zeit einfach astral "abgespaced" war: Durch die neue Energie in meinem Astralkörper entstanden entszückende Glücksgefühle, und da ich immer leicht über mir schwebte, konnten mich negative Gefühle nicht mehr tangieren.

Je mehr Energie ich in meinen Astralkörper brachte und je mehr ich mich um Verkörperung bemühte, desto mehr wurden dann jedoch wieder Traumata und Gefühle aktiviert. Es hat eine Weile gedauert, bis ich akzeptieren konnte, dass ich aus meinem „Kopf-Space“ würde herabsteigen müssen, um durch die ganzen Schatten zu gehen, von denen ich mich so erfolgreich disoziiert hatte.

Der Prozess des Erwachens und der Erleuchtung scheint für mich ein Prozess der zunehmenden Verkörperung unserer Seele zu sein. Dazu sind langsame und ziemliche gravierende Veränderungen in unseren Energiekörpern, dem physischen Körper und dem Gehirn notwendig, um diese Energien auch aushalten zu können. Das Licht "durchspült" alle unsere Körper und schwemmt das an die Oberfläche, was noch an Schlacken in unseren Körpern vorhanden ist. Im Astralkörper sind dies Emotionen und Traumata, im Kausalkörper Karma und im physischen Körper Verspannungen und Gifte. Je mehr sich unser grob- und feinstoffliches Nervensystem reinigt, desto mehr unseres eigenen Lichts kann sich hier auf der Erde, in diesem Körper manifestieren - und das ist es, was die Seele meiner Erfahrung nach möchte: Sich vollständig durch einen menschlichen Körper ausdrücken und Freiheit erlangen.


Erdung: Die Verbindung mit Gaia

Erst wenn wir wirklich verkörpert sind, also unsere feinstofflichen Energien unseren physischen Körper wirklich durchdringen, ist Erdung möglich - zumindest so, wie ich sie verstehe.

Ein zentraler Perspektivwechsel für mich war die Erkenntnis, dass wir tatsächlich in Gaia hineininkarnieren. Mein Konzept war lange Zeit, dass ich als Seele, in einem Körper auf dieser Erde inkarniere. Aber irgendwann erkannt ich: Es gibt keine Trennung zwischen Gaia und dem physischen Körper, er ist tatsächlich ein Stück von Gaia. Was für eine Vorstellung! Wir inkarnieren in ein anderes Wesen hinein. Was für ein Dienst von Gaia, durch ihren Körper so vielen Seelen eine Erfahrung zu ermöglichen.

Das Material, aus dem unser Körper gemacht ist, ist ein Teil von Gaia und wird zu ihr zurückkehren. Alles, was wir jemals essen werden, ist aus Gaia gemacht, alle Pflanzen, Früchte oder Körper kommen aus Gaia, es existiert hier nichts, dass nicht sie ist. Wir essen Gaia, wir trinken Gaia, wir atmen Gaia - es gibt keine innigere Verbindung, die wir jemals zu einem Wesen haben könnten, als die Verbindung zu ihr.

Wenn wir also wirklich in unserem Körper sind, sind wir nicht nur verbunden mit Gaia, wir sind IN ihr! Durch die bewusste Wahrnehmung der energetischen Interaktion zwischen unseren feinstofflichen Energien und den Energien Gaias entsteht Erdung, eine Öffnung für die Energien der Erde. Die Qualität, die ich am stärksten in dieser Energie spüre, ist Unterstützung. Wenn ich mich dafür öffnen kann, strömt eine warme, unterstützende, haltende Energie von Gaia in mich, die mir Kraft, Geborgenheit und Mut gibt. Ich bin mir sehr sicher, dass diese Energie nicht nur für die Gesundheit sehr wichtig ist, sondern auch für das Gelingen von allem, was wir auf diesem Planeten vorhaben könnten.


Wie?

Wenn wir unseren Astralkörper schon klar spüren können, geht es vor allem darum, die Angewohnheit des Flüchtens abzulegen und stattdessen durchgehend in unserem Körper zu bleiben. Fast alle Menschen haben sich in ihrer Kindheit das Flüchten angewöhnt, denn die Wenigsten haben eine wirkliche sichere und geborgene Kindheit erlebt.

Es würde dann also darum gehen, den ganzen Tag über immer mal wieder zu überprüfen, ob wir wirklich im Körper sind, und wenn nötig zurückzukehren - so oft am Tag, wie es geht. Mit der Zeit nehmen die Fluchtendenzen ab, sie sind tatsächlich eine Art Angewohnheit. Am Ende des Textes findest du hierzu eine Meditation.

Wenn noch kein klares Gefühl für die feinstofflichen Ebenen besteht, können Tanz, Yoga, Schauspiel etc. helfen, mehr in den Körper zu kommen - aber Tanz zum Beispiel kann gleichzeitig auch verwendet werden, in eine außerkörperliche Trance zu gelangen. Ein für mich effektiver Weg, in den Körper zu kommen ist, "in den Knochen sein"  - auch dazu unten eine Übung.

Ein weiterer Weg, der für mich gut funktioniert, ist die Arbeit mit Gravitation, darüber habe ich schon einen ganzen Artikel geschrieben, der sich hier findet:
http://den-weg-gehen.de/erdung-gravitation-die-liebe-der-erde

In Bezug auf die Erdung, gibt es ein paar kleine Energiezentren, die eine wichtige Rolle spielen, dazu ebenfalls unten eine Übung.

Um die feinstoffliche Ebene stärker wahrzunehmen, ebenfalls eine kleine Übung.

Es würde mich freuen, wenn durch die Kommentare noch weitere Übungen dazukommen - vielleicht kennst du ja eine, die dir geholfen hat und magst sie teilen.

Viel Spass beim Experimentieren!

 

Übungen

In den Knochen sein
Den inneren Körper spüren
In den Körper kommen
Erdung über die Füße


Übung: In den Knochen sein

Diese Übung ist sehr einfach: Die Idee ist, das Bewusstsein nicht nur oberflächlich in den Körper zu bringen - was meist bei Nerven und Muskeln stehen bleibt - sondern bis tief in den bewegungslosesten und materiellsten Teil von uns vorzudringen: Die Knochen. Auf Ebene der Muskeln und Nerven ist noch sehr viel Dynamik und Bewegung, unsere Knochen sind beständig, stützend, verlässlich.

Das erste, was wir überprüfen können, ist, ob wir uns nur vormachen, im Körper zu sein. Was passiert, wenn du die Augen schließt und deinen Körper spürst? Wie wird er in deinem Geist repräsentiert? Bist du wirklich direkt in der Empfindung, oder erzeugt dein Geist ein Bild vom Körper? Was wir versuchen wollen, ist den Körper von innen zu spüren. Man kann keine Entspannung erreichen, wenn man geistig versucht "von der Haut nach innen" zu gehen - sich also vorstellt, außerhalb des Körpers zu sein. Dies geschieht oft zum Beispiel bei den Armen, weil wir sie tagtäglich so sehen.

Schließe mal deine Augen und nehme deine Arme war, die vor dir auf dem Tisch liegen. Repräsentiert dir dein Geist sie so, wie du sie siehst? Das ist oft der Fall. Wenn dem so ist, versuche, diese Vorstellung loszulassen und wirklich in die Empfindung deiner Arme zu gehen und sie von innen zu spüren.
Auf diese Weise wandere dann durch dein gesamtes Skelett. Versuche jeden einzelnen Kochen zu fühlen und mit ihm eins zu werden. Erlaube den Knochen dabei, der Schwerkraft zu folgen und lass die Muskeln los, die sie davon abhalten.

Fühle deinen Schädel, deinen Nacken, die Schlüsselbeine; die Arme, Mittelhandknochen, Finger; deinen Brustkorb mit den Rippen; dein ganzes Becken, die Hüftknochen, Oberschenkel, Knie, Schienbeine, Knöchel, Mittelfußknochen und Zehen. Nimm dir Zeit.

Mit der Zeit sollte sich der Körper entspannt und offen, aber auch schwer anfühlen - dies ist ein Zeichen für Verkörperung. Besonders die Füße fühlen sich hinterher oft ganz anders an.

 

 

Übung: Den inneren Körper spüren

1. Schließ deine Augen. Atme tief ein und aus. Verwende die dreifache Atmung, bei der du zuerst in den Bauch, dann in die Brust und zuletzt in den Bereich des Schlüsselbeins atmest.  In deiner Vorstellung atme durch deinen Scheitel ein und durch deine Zehen aus.

2. Nimm deine Aufmerksamkeit vom Atem weg und lenk sie auf deinen Körper. Fühl ihn von innen. Spüre das Leben in ihm, dass jede Zelle durchdringt. Kannst du das Leben spüren? Die summende Vibration, die den Körper erfüllt? Ein subtiles Energiefeld, das deine Organe und Zellen mit vibrierendem Leben füllt?

3. Spüre diese Energie als ein geschlossenes Feld, das den ganzen Körper durchdringt. Verbleib eine Weile so. Beobachte, wie deine Aufmerksamkeit zunächst hin und herspringt, und kehre immer wieder zum reinen Spüren der Energie zurück.
4. Spüre den Raum um deinen Körper als reine Energie. Wie groß bist du?

Für mehrere Wochen, bleib den ganzen Tag mit diesem Energiefeld verbunden, lass die Aufmerksamkeit nie los, egal was du tust.


Übung: In den Körper kommen.

Diese Meditation ist grob von der Schamanin Eileen Nauman übernommen:

1. Such dir einen ruhigen Raum, und lege dich auf den Rücken. Entspann dich, spüre deinen Körper, die Knochen und die Gravitation.

2. Atme eine Weile tief.

3. Spüre deinen gesamten Körper als Ganzes.

4. Sieh oder spür deinen Astralkörper, in der gleichen Form wie deinen physischen Körper. Wenn du ihn nicht spüren kannst, stell dir vor, er würde über deinem Kopf schweben, oder aus deinem Körper herausragen.

5. Dann, ganz langsam, bringe den Astralkörper zurück in deinen physischen Körper. Spüre oder visualisiere deine astralen Füße zu auf ihrem Weg nach unten, durch Brust, Taille, Hüften, nach unten durch die Oberschenkel, vorbei an den Knien, den Waden, bis die astralen Füße schließlich in den physischen Füßen „einrasten". Stell dir eine Empfindung von "Verriegelung" oder "Andocken" vor, als ob es unsichtbare Verschlüsse auf den astralen Füßen gibt, die deine körperlichen Füße umschließen.

8. Wenn deine astralen Füße sich in deinen physischen Füßen verankern, ist der Rest deines Astralkörpers bereits eingerastet in den Händen, Armen, Fingern und dem Rest deines Körpers.

9. Stell dir an der Oberseite des Kopfes einen runden "Deckel" vor, der offen ist und es deinem Astralkörper erlaubte, wieder in voll und ganz in deinen Körper zu rutschen. Siehe, wie sich dieser "Deckel" langsam, dicht und sicher an der Oberseite des Kopfes verschließt.

10. Du kannst nun deine Augen öffnen dich auf das "hier und jetzt" einstellen. Du fühlst dich vielleicht ein wenig anders, vielleicht ein wenig schwerer. Aber das ist ein gutes Zeichen, dass dein Astralkörper vollständig in deiner physischen Form verankert ist. Gönn dir ein paar Minuten Zeit, um dich auf dieses neue Gefühl einstellen. Wenn du dich bereit fühlst, stehe auf. Nimm dir Zeit, es könnte sich zunächst sehr anders anfühlen. Gib deinem physischen und astralen Körper eine Chance, sich anzupassen.

Wiederhole diese Übung mehrmals am Tag, bis die Angewohnheit des Flüchtens aufhört und du im normalen Tagesverlauf immer in deinem Körper bleibst.


Übung: Erdung über die Füße

Es gibt ein paar kleine Zentren, die eine Rolle bei der Erdung spielen können:

Zum einen gibt es Zentren in der Mitte unserer Fußsohle, zum anderen stellen alle Gelenke so etwas wie ein Nadelöhr da, in dem Energie 'steckenbleiben' kann. Diese zu öffnen, kann zur Erdung beitragen.

1. Stell dich aufrecht hin, den Rücken gerade, die Schultern entspannt, das Becken leicht nach hinten bzw. das Schambein nach vorn. Die Hüftknochen sind über den Knöcheln.

2. Lass die Schwerkraft auf deinen Körper wirken. Spür, wie sich dein Körper auf die Schwerkraft ausrichten möchte. Gib den Widerstand gegen die Scherkraft auf, erlaube es deinem Gewicht, zur Erde zu fließen.

3. Öffne die Zentren in deinen Füßen, stell dir hierzu vor, deine Hacken würden sich leicht nach hinten bewegen und so in der Mitte der Fußsohlen kreisrunde Öffnungen öffnen. Mit der nächsten Einatmung lass Energie von der Erde in deine Füße strömen.

4. Entspanne deine Knöchel von innen und spüre, wie die Energie weiter nach oben fließt.

5. Entspanne deine Kniekehlen, besonders die Außenseite.

6. Entspanne deine Hüft- und Beckenknochen.

7. Spüre zwei Energieflüsse gleichzeitig: Den abwärtsgerichteten Fluss, welcher der Gravitation folgt und dich entspannt und seinen Gegenfluss, durch den frische Energie von Gaia in dich einströmt - durch die Füße, deine Knöchel, Kniekehlen in den Beckenraum und von dort die Wirbelsäule hinauf.


Diese Übung lässt sich hervorragend mit Yoga-Positionen kombinieren.


Welche Übungen kennst du? Teile sie gerne in den Kommentaren!


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