Der Wandel in uns

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen (buddhistische Weisheit)

Athen brennt, in Syrien ist die nationale Armee dabei, eine ganze Stadt von Aufständischen auszulöschen, in Ägypten wird äußerst brutal Jagd auf Oppositionelle gemacht und in Amerika hat sich vor ein paar Monaten die Occupy-Bewegungen formiert.

Die Menschen sind in vielen Teilen unserer Erde nicht mehr bereit, die gegebenen Lebensbedingungen, wie unterschiedlich sie auch sein mögen, hinzunehmen. Es gab natürlich zu jeder Zeit Menschen, die auf die andere oder andere Weise versucht haben, das bestehende System zu kippen, die Missstände der Gesellschaft kund zu tun, Veränderung herbeizuführen. Und doch fühlt es sich für mich seit einiger Zeit anders an als je zuvor. Auch wenn es weiterhin radikale Kräfte gibt, die einen Umsturz, auch wenn nötig mit Gewalt anstreben, erlebe ich einen Wandel auf einer ganz anderen Ebene. Es vollzieht sich ein kollektives Seelenerwachen. Bei vielen Menschen, denen ich begegne und die ich schon Jahre kenne, fühlt es sich so an, als ob ihnen langsam, aber stetig ein Schleier von den Augen entfernt wird. Auch wenn anfänglich nur schwach wahrzunehmen, mit einmal wird die jahrelang als unumstößlich hingenommene Schulmedizin hinterfragt, jemand öffnet sich für alternative und selbst geistige Heilmethoden. Jemand spürt mit einmal, dass alle seine Probleme, alles was ihm begegnet seit Jahren, tatsächlich etwas mit ihm zu tun haben könnte. Die Menschen werden sich ihres sklavenähnlichen Daseins in einem Hamsterrad aus Lohnerwerb und Konsum bewusst und spüren mit einmal den kleinen Teil ihrer Seele deutlicher, der nicht mehr bereit ist, komplett an seiner Berufung vorbei zu leben.

Es dämmert den Menschen mehr und mehr, dass es doch alles ganz anders sein könnte, als man ihnen über Jahre, ja Jahrzehnte durch Schule, Presse und Öffentlichkeit, Regierungen und deren Vertreter, gefilterte Wissenschaft und zensierte Mainstrammedien eingetrichtert hat. Das es da noch eine ganz andere Wahrheit gibt, fernab von der Konditionierungs- und Gleichschaltungsmaschinerie. Eine Wahrheit, die nur gefühlt werden kann. Und doch spüre ich auch an mir Selbst, dass diese jahrelange Fixierung auf Sicherheit, Wohlstand und Materielles, auf Anpassung und Konformität, das Verwischen der Einzigartigkeit eines jeden tiefe Spuren hinterlassen hat.
 
Auch wenn ich hin und wieder in meiner teils sprachlos erstaunten, teils erschütterten Realisation über die unglaubliche Täuschung des Menschen Impulse verspüre, aktiv zu werden gegen dieses System und die Lügen unserer Gesellschaft, glaube ich tief in mir, dass es in diesem Prozess vielmehr um unser individuelles Wachstum als Seele geht.  

Ich spüre, dass tatsächlich eine Zeit angebrochen ist, die von uns Entscheidungen und Positionierungen verlangt, Positionierungen, die sowieso, bewusst oder unbewusst getroffen werden. Es fängt in uns an. Frei nach der Aussage „wie im Innern, so im Außen“ wird sich all das, was in uns erwacht, im Außen manifestieren. Seitdem ich fühlen kann, ja vom Herzen ausgehend das Wissen habe, dass alle Lebewesen miteinander verbunden sind, ist es beispielsweise für mich nicht mehr möglich, andere Lebewesen zu verspeisen, geschweige denn durch mein Konsumverhalten daran teilzuhaben, dass diese unsagbar leiden. Und so bemerke ich, dass sich Stück für Stück all das, was ich an inneren Prozessen durchlebe und zulasse, sich mit einer gewissen Zeitverzögerung in den verschiedenen Bereichen meines Lebens nieder lässt.

Ich spüre, dass sich mit zunehmender Dynamik die Frage für jeden Einzelnen stellt, wie weit er bereit ist, los zulassen. All die scheinbaren Sicherheiten, die überholten Wertvollstellungen, die uns dazu erzogen haben, uns immer nur im Außen zu orientieren, unsere Opferhaltung, unsere Glaubenssysteme, die von Schuld und Sühne geprägt sind, unser Aufrechterhalten von einem künstlichen Gefühl des Getrenntseins – hin zu der Realisation, dass nichts, aber auch gar nicht so ist, wie es schien. Vieles wird sich erst damit offenbaren, dass wir im tiefen Vertrauen einen Fuß vor den anderen setzen und so unseren Weg erleben, ihn zu einem festen Boden unter uns werden lassen. Es ist die Bereitschaft, deren langsames Aufblühen ich gerade in mir erlebe, alles – wirklich alles in Frage zu stellen, was ich je für Richtig oder Realität gehalten habe und zu lauschen, welche Wahrheit mir meine Seele, meine innere Stimme flüstert.

Es ist auch das Spüren der tiefen Bedürfnisse unserer Seele, der individuellen wie der kollektiven, auch wenn sie sich aus heutiger Sicht noch so utopisch darstellen. Ein Leben im gegenseitigen Austausch, jeder lebt in seiner Bestimmung und dient damit nicht nur sich, sondern auch dem Ganzen, eine natürliches Zusammenfliessen aller Energien entsprechend unserer wahren Natur, in Harmonie mit Gaia, unserer Heimat. Uns diese Gedanken und Gefühle zu erlauben, es nicht als einen unrealistischen Traum abzutun, sondern als eine Möglichkeit anzuerkennen, ist ein erster Schritt, die Kruste aus Konditionierung und Gleichschaltung aufzubrechen, die unsere Seele wie eine eiserne Umarmung umklammert. Mein Leben hat sich wie von Zauberhand zusehends verändert in dem Maße, in dem ich die inneren Veränderungen, die mir das Leben wie ein Spiegel nahe brachte, zuließ. Ich fühle für mich, dass der große Wandel eine Summe der vielen vielen kleinen Wandel ist. In mir. In Dir. In uns. 

Bilder: Demo AttributionNoncommercialShare Alike Some rights reserved by tranZland; Schmetterling AttributionNoncommercial Some rights reserved by davidyuweb

2 Kommentare zu „Der Wandel in uns“

  1. danke

    liebe jasmin, vielen dank, du sprichst mir aus der seele!

    manchmal verzweifle ich noch schier an der festigkeit um mich herum, an den eingeschriebenen vorstellungen, wie das leben zu funktionieren habe…und dann sehe ich wie du, zarte zeichen des wandels, des sich öffnens. plötzlich kann ich wörter wie meditation, mantra, schwingungsenergie benutzen, ohne abstrafende blicke oder bemerkungen mir einzufangen. vegetarismus wird nicht mehr nur verlacht, von veganismus mal ganz zu schweigen. und was für mich persönlich eine unglaubliche erleichterung darstellt, dass als gründe für vegetarismus ethische gründe, das gefühl des einsseins und das verweigern des leidens anderer lebewesen zunehmen. lange zeit war es mehr oder weniger die sorge um die eigene gesundheit, die menschen um mich herum zu weniger fleischkonsum veranlassten. ich war mir da nie sicher, ob diese gründe nicht genauso egoistisch sind wie der biosprit heute, für den regenwälder abgeholzt werden. nun, da ändert sich einiges.

    vielen dank, solche worte, wie die deinen, helfen weiter zu gehen im schleierland….

    anek

    1. schleierland

      Liebe Anek,

      Schleierland ist tatsächlich der richtige Begriff. Ich kann Dich total verstehen, gerade als ich um  Weihnachten in Berlin unterwegs war, und diesen ganzen Wahnsinn aus Konsum, Hektik und Stress gefühlt habe, kamen mir mal wieder Zweifel hinsichltich eines kollektiven Seelenerwachens…und doch erlebe ich die kleinen Anzeichen immer mehr, man muss nur genau hinsehen und nicht die grossen Wunder erwarten. Ich merke auch, umso weniger ich mich verstecke mit dem, was ich fühle, sehe und erfahre, sondern auch im aussen authentisch bin, umso mehr trauen sich Menschen, von denen ich es am wenigsten dachte, ihre Wahrheit zu teilen, von denen sie dachten, sie wären die Einzigsten mit diesen Erlebnissen oder Gedanken. Danke für Deine Worte!

       

      Alles Liebe Jasmin

       

       

       

       

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