Gemeinsam frei sein – Beziehungen im Wandel

Unsere Beziehungen sind für mich ein Lernfeld von unbegrenztem Ausmaß.

Doch was heißt es wirklich, eine Beziehung auf einer neuen Ebene zu führen? Was bedeutet es im Alltag, all die Dinge, die uns bewusst wurden über uns selbst, in unseren Beziehungen zu verwirklichen? Wie kann ich völlig überholte Denk- und Verhaltensmuster loslassen? Welche Form der Beziehung führt mich wirklich zu mir selbst?

Die zunächst grundlegende Erkenntnis für mich in Bezug auf alles, was mir im Außen begegnet inklusive meiner Partnerschaft, ist die Annahme dessen, dass dies alles mich spiegelt. Es ist mein Spiegelbild, die Maßeinheit meiner inneren Verfassung, das Thermometer meiner Glaubenssätze, die Tafel für meine Gedanken. Als ich meinen jetzigen Partner traf, war ich mir bewusst, wie nutzlos Projektionen sind, wie überflüssig all die inszenierten Dramen und die „Du-bist-Botschaften“ sind, mit denen ich so oft in meinem Frust meine jeweiligen Partner überhäuft hatte. Ich war der festen Überzeugung, ab sofort jede Situation offen und ehrlich als mein Spiegelbild anzusehen, und sei es noch so unangenehm. Das war die Theorie, die Bewusstwerdung, ohne der kein weiterer Schritt möglich ist. Die Praxis, der Alltag sollte die tatsächliche Herausforderung darstellen.

 

Der Verlust der eigenen Integrität

So sehr es dem Menschen gelingt, als Single sich selbst treu zu bleiben, halbwegs in seiner Mitte zu ruhen und ob dieser Zentriertheit ein hohes Maß an Attraktivität auszustrahlen, ich erlebe an mir selbst und um mich herum, wie diese Integrität in fast jeder Beziehung auf eine harte Probe gestellt wird. Die meisten von uns haben in ihrer Kindheit gelernt, dass Liebe an Bedingungen geknüpft ist, dass sie, als wertvollstes alles Güter, da überlebenswichtig bis zu einem bestimmten Alter, nur dann ungehindert fließt, wenn wir uns auf eine bestimmte Weise verhalten. Ich persönlich kenne wenig Menschen, die in ihrem Leben je bedingungslose Liebe erfahren durften.

Diese Konditionierungen tragen wir in unsere Beziehungen. Ganz unbewusst. Ganz schleichend. Ein relativ unbewusster Teil von uns ist immer auf der Lauer, welche Anforderungen die jeweiligen Situation an uns stellt, welches Verhalten gerade welche Reaktion hervorruft, welche Seite von uns liebenswerter ist usw. Und so kommt es nicht selten vor, dass aus dem tättowierten Rocker ein Couchpatatoe wird. Und aus der süssen Hippiefrau eine angepasste Mutter. Ich beginne mich selbst zu verraten, um geliebt zu werden. Dahinter steht die Angst vor Ablehnung. Und die Urangst davor, verlassen zu werden. Noch extremer wird die Dynamik, wenn ein notorisch schlechtes Gewissen ins Spiel kommt. Getragen von dem Glaubenssatz, nur geliebt zu werden, wenn ich hart dafür arbeitete, habe ich mich so manches Mal in einer Spirale aus Geben und noch mehr Geben wiedergefunden und wurde trotzdem immer von dem Gefühl begleitet, es war nie genug und wird nie genug sein. Ständig auf der Suche nach Anerkennung für die vorbildliche Aufopferung, ohne dass dieser Hunger je gestillt werden könnte.

Ich habe es oft erlebt und beobachtet, wie dieser alltägliche Verrat im Inneren um der vermeintlichen Liebe willen im Laufe der Zeit einen so unberechenbaren, unbewussten Frust schürt, dass so manches Mal aus Liebe Haß und Verachtung wurden, oftmals Gleichgültigkeit und Rückzug. Und keiner der Beteiligten wusste, was mit ihm oder ihr geschieht. Wie man solche Gefühle, nach außen getragen oder nicht, gegenüber dem Menschen hegen kann, in dem man vor gar nicht allzu langer Zeit so sehr verliebt war. Mit der Zeit leben zwei Menschen zusammen, die sich gefangen fühlen in einem selbst gebauten Käfig voller selbst auferlegter Zwänge, nicht selten in der irrigen Annahme, diesen Käfig hätte ihr Partner, ihre Partnerin gebaut – nichtsahnend, dass die Gitterstäbe allein in ihrem Inneren zersägt werden können.

 

Seine eigenen Wurzeln entdecken und pflegen

Mein eigenes Erleben führte mich dahin, hinter dem immensen Schmerz der Ablehnung und des Verlassen werdens eine Wahrheit zu erkennen, vor der ich mich mein ganzen Leben lang gefürchtet hatte: ICH BIN ALLEINE. Ich bin alleine gekommen und werde alleine gehen. Alle Versuche, Energie, Liebe, Heimat, ein zu Hause, Geborgenheit von einer anderen Person zu bekommen, nähren eine fatale Illusion. Alle Bemühungen, meine  Sehnsüchte dadurch zu befriedigen, indem ich mich an jemanden anderes andocke, führen nur zu der immer wieder kehrenden Wiederholung desselben Leids. Derselben Enttäuschung. Und am Ende wird immer dieselbe eine Wahrheit stehen. Diese Wahrheit war ebenso hart, wie schockierend, wie nüchtern, wie einleuchtend.

David hat in diesem Zusammenhang ein wunderschönes Bild gezeichnet: mein ganzes Leben lang habe ich mich von den Wurzeln anderer Bäume ernährt, bin von Baum zu Baum gegangen, um deren Wurzeln anzuzapfen, um mich mit Nährstoffen zu versorgen und habe dabei völlig vergessen, dass auch ich ein Baum bin, mit eigenen Wurzeln. Das ich alles in mir trage, um mich autark zu versorgen. Ich muss nur genau hinschauen. Wollen.

Für mich wurde es genau an diesem Punkt Zeit, die eigene Wurzel zu sehen, sie zu fühlen, sie zu entdecken. Und mit dieser einzigen, bewussten Entscheidung konnte ich sie mehr denn je wahrnehmen. Ich konnte spüren, welch unendliche Freiheit mir diese meine eigenen Wurzeln schenken. Dass es NICHTS, rein gar nichts gibt, was ich tun muss, dass ich mich nicht mehr verbiegen und verstellen muss, um geliebt zu werden, dass ich frei bin. Ich bin Liebe, in Freiheit. Weil es nichts gibt, was ich brauche, Von niemandem. Alles ist in mir. Im Überfluss. Vielleicht klingt dass alles sehr pathetisch. Aber für mich war das Gefühl dieser Freiheit begleitet von einer besonderen Klarheit. Auch wenn dieser besondere Moment des Fühlens in seiner Intensität zeitlich begrenzt war, so begleitet er mich seit einigen Wochen wie ein treuer Freund. Und ich weiß tief in mir, alles, was mir begegnet, dient dazu, Muster aufzulösen und gehen zu lassen, die diese eine Wahrheit verschleiern oder verzerren.

 

Altes gehen lassen

Während ich dieser Wahrheit begegne, stellt sich Stück für Stück alles auf den Kopf, was ich je über Beziehungen gelernt und gedacht hatte. Sämtliche gesellschaftliche Normen, wie eine „glückliche“ Beziehung auszusehen hätte, wie sie im Alltag gelebt werden sollte, welche Attribute sie zu erfüllen hätte, all dies verblasst gerade in einem beeindruckenden Tempo. Ich erlebe, wie sehr ich mich innerhalb einer Beziehung selbst beschränkt habe in Bezug auf meine eigenen Bedürfnisse, auf innere Impulse, darin, meine Träume ohne Grenzen zu träumen und zu leben. Wie oft sind mir Dinge begegnet, eine bestimmte Reise, ein Ort, an dem ich gerne eine zeitlang gewohnt hätte, meist spontane Impulse, denen ich gerne gefolgt wäre, die ich aber sooft mit der Begründung, dass es nicht geht, weil mein Partner nicht darauf klar käme, wieder in den Keller meiner Seele gesperrt habe. Wohlbemerkt:  ICH habe sie weggesperrt, nicht mein Partner.

Ein interessantes Thema in diesem Zusammenhang ist das Thema gemeinsam Schlafen. Nächtigen, nebeneinander, in einem Bett. Seit Jahren schlafe ich unruhig in der direkten Energie einer anderen Person. Mein Partner auch. Aber niemand hat sich bisher gewagt, diese Bastion in Frage zu stellen. Seinem inneren Bedürfnis nach Freiraum beim Schlafen zu folgen. Weil man so geprägt ist von der Norm, dass man in einer Beziehung zusammenschläft. Sonst stimmt irgendetwas nicht. Sonst entfernt man sich voneinander. Wo ist denn dann die Leidenschaft hin?  Zumindest uns ging es so. Bis wir uns einfach befreiten. Davon, was wir selbst als Glaubenssatz verinnerlicht hatten, davon, was andere dazu dachten, hin zu dem, was wir tief in unserem inneren als authentisches Bedürfnis verspüren. Dies sei nur ein Beispiel für all die vielen Ansätze, die unser Bild dahingehend, wie eine Beziehung zu sein hat, geprägt haben. Die oftmals völlig konträr sind zu unserem inneren Gefühl.

Ich fühle, dass es Zeit ist, all die Konventionen gehen zu lassen, um Platz für etwas Neues zu machen. Uns zu erlauben, unseren authentischen Impulsen zu folgen. Unserer innere Wahrheit uneingeschränkt die oberste Priorität einzuräumen. Keine Lust auf Familienfeier? Dann geh ich nicht hin. Ein Kribbeln im Bauch bei dem Gedanken, für eine gewisse Zeit alleine nur mit Rucksack und Zelt durch die Natur zu streifen? Dann los. Ich fühle, dass eine Beziehung erst dann wirklich frei sein kann, von Abhängigkeiten und Energieverklebungen, wenn sich beide trauen, ihre Impulse und Bedürfnisse offen und ehrlich zu leben. Wenn sie sich der Angst stellen, nicht geliebt zu werden, wenn sie sie selbst sind. Dem schlechten Gewissen, nicht genug zu sein, wenn sie etwas für sich tun. Während wir all diese Emotionen würdigen, sie fühlen und umarmen, neue Wege zu beschreiten. Den Mut haben, unsere Bedürfnisse zu leben, uns endlich im Inneren den Raum zu geben, nach dem wir uns schon so lange sehnen.

Es ist Zeit. Für ein freies Zusammenspiel zweier Seelen, die miteinander lernen, sich selbst treu zu bleiben. Die zusammen entdecken, wie frei sie tatsächlich sind. Die nach und nach alle Illusionen in sich aufdecken, behutsam in Liebe, in absoluter Ehrlichkeit und schonungsloser Offenheit. Die gemeinsam einen Raum kreieren, in dem jeder genau das SEIN darf, was er gerade in diesem Augenblick ist. In dem die höchste Wahrheit jedes Einzelnen sein wertvollestes Gut ist.

 

Ich bin sehr dankbar für meinem Partner, meinen Freund und Seelengefährten, der mit mir dieses intensive und zutiefst menschliche Lernen möglich macht- aus dem unendlichen Potential unseres Seins.

 

Bilder: Herz some rights reserved by aftab

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12 Kommentare zu „Gemeinsam frei sein – Beziehungen im Wandel“

  1. Beziehung in Wahrheit

    Jasmin,

    mit dir zu wachsen ist ein großes, schönes Abenteuer!

    Ich würde gerne noch ein paar Dinge ergänzen.

    Eine meiner zentralen Erkenntnisse war der Satz: "Beziehungen gibt es gar nicht!". Das klingt vielleicht erstmal komisch. Was ich damit meine ist: Was ist denn das, was wir unter Beziehung verstehen? Ist es nicht eine Sammlung aus Regeln, Absprachen, Versprechen, Erwartungenn?

    In der Realität gibt es in meinen Augen nur das spontane, immer neue "in Beziehung" sein – die Wahrheit des Augenblicks, die sich aus der höchsten Wahrheit von zwei Menschen im Jetzt ergibt. Ich möchte nichts mehr "für eine Beziehung" tun, sondern für meine Liebe und meine Wahrheit. Darin gibt es keine Sicherheiten, aber Vertrauen. Vertrauen darin, dass alles, was wirklich zu mir gehört, auch bei mir bleiben wird und dass ich alles, was nicht zu mir gehört sowieso nicht festhalten kann. Dass ich mich darum so zeigen kann, wie ich wirklich bin, dass ich meine Bedürfnisse und meine Wahrheit leben darf und dass ich nur mit jemandem zusammen leben möchte, der diese meine Wahrheit liebt.

    Zwei Menschen, die so in Beziehung sind, gehen ihren eigenen Weg, im Vertrauen darauf, dass der Weg des anderen zumindest für eine Zeit paralell verläuft. Vielleicht auch mal nicht, vielleicht muss einer der beiden eine Reise unternehmen, eine Zeit allein sein. Das Vertrauen ist, dass nur die höchste gelebte Wahrheit zwei Menschen wirklich vereinen kann. Und nur wenn zwei Menschen wirklich ihre höchste Wahrheit leben, sind überhaupt diese Menschen in Beziehung, treffen sich diese Menschen so wie sie wirklich sind, in der Wahrheit. Nicht verstellt und verängstigt, als zwei Menschen, die nicht für ihre Wahrheit und nicht für den anderen, sondern für ein Konstrukt namens Beziehung leben.

    Für mich ist es immer noch schwierig, das zu leben. Wie oft verrät man sich in kleinen Dingen, folgt der eigenen Wahrheit nicht, weil man Angst vor Konflikten und Reaktionen hat – oft auch noch völlig ungerechtfertigt.

    Der wichtigste Tipp: Sein eigenes Ding machen. Es ist ok alleine zu schlafen (wir schlafen fast immer alleine), alleine zu reisen, Dinge zu unternehmen, seinen Hobbies zu folgen, zu sagen, wenn man keine Lust hat, etwas zusammen zu machen usw. usw.

    Liebe, Erotik und Anziehung brauchen das Spiel aus Distanz und Nähe. Eine Beziehung muss atmen dürfen.
    David

     

    1. Wenn Kinder im Spiel sind

      Liebe Jasmin, lieber David,

      ich finde mich sehr in euren Beschreibungen einer freien "Beziehung" wieder. Ich gehe selbst diesen Weg, der zu mir führt und bin meinem Seelengefährten dankbar für das was er mir wie ein Spiegel zeigt und was ich dadurch für mich erkenne.

      Wir tasten uns vorsichtig voran durch den Beziehungsdschungel auf Pfaden, die erst geschaffen werden müssen. Wir wissen bisher nur was wir nicht leben wollen und keiner von uns fühlt sich mit der konventionellen Vorstellung von Beziehung wohl.

      Ich kann auch sehr gut nachvollziehen, wie schwer es ist wirklich bei sich selbst zu bleiben sobald der Partner da ist. Den Tipp, sein eigenes Ding zu machen, interpretiere ich für mich, wirklich in sich hineinzufühlen, wie stimmig etwas für mich ist und dann auch nach meiner inneren Wahrheit zu handeln. Das zu schaffen ist in jeder Beziehung, auch zu Eltern/auf der Arbeit/gegenüber Freunden eine Herausforderung.

      Doch meine Frage ist, was ist, wenn Kinder im Spiel sind? Kann dann jeder noch „sein Ding machen“? Wie erlebt ihr das? Wie geht ihr damit um?

      Für meinen Partner und mich ist das nach wie vor ein Angstthema, über das wir uns austauschen und das mich immer wieder an meine eigenen inneren Grenzen bringt. Ein Thema, das mich blockiert. Klar, wir sind auf der Suche nach einer Balance mit dem „in Beziehung sein“ und der eigenen inneren Mitte. Und es ist ein Weg, der mit viel Bewusstsein auf beiden Seiten gegangen werden will.

      Doch was geschieht mit dem Kinderwunsch, der aus dem Wunsch nach Verschmelzung entsteht (also nicht aus dem Ego-Bedürfnis, ein Kind haben zu wollen oder zu müssen), wenn beide noch auf der inneren Suche sind?

      Er wird wahlweise ignoriert, verdrängt, irgendwann ehrlich wahrgenommen und dann vertagt auf den Tag, an dem sich alles fügt oder man selbst schlauer ist und eine Idee hat, wie es funktionieren könnte. Und dabei habe ich das Gefühl, mein Leben aufzuschieben. Etwas nicht zu tun, was eigentlich gefühlt „dran“ wäre. Natürlich schauen wir auch den diversen Ängsten ins Gesicht, nämlich dass es irgendwann zu spät ist oder auch, dass man der „Situation Kind“ nicht gewachsen ist usw.

      Daher die Frage an euch, wie ihr es mit Kind schafft, „euer Ding zu machen“ und euch damit den Raum schafft, euch immer wieder in Liebe zu begegnen?

       

      Liebe Grüße,

      Serena

      1. Gründe

        Hallo Serena,

        erstmal: Wir schaffen es auch nicht immer. Es ist ein Scheitern und wieder aufstehen. Und: man kommt an seine äußersten Grenzen, versprochen.

        Davon abgesehen ist es vielleicht einfacher, als wir uns eingestehen wollen: Die Loyalitt gilt immer deiner höchsten Wahrheit. Immer. Ob mit oder ohne Kind, ob dieses oder jenes: Zu oft sind das Entschuldigungen, vorgeschobene Gründe. Die Loyalität gilt deiner Intuition, vor allen Menschen, vor allen Regeln, vor allen Konventionen.

        Das Vertrauen ist, dass der Fluss der Wahrheit allen Wesen dient. Er will nichts, kein Ergebnis. Die höchste Wahrheit einer Situation ist in meiner Definition das höchste Wohl aller beteiligten Wesen. Manchmal ist es deine Wahrheit einen Kompromiss zu machen, manchmal klar und bestimmt Grenzen zu ziehen, dein Ding zu machen. Es gibt keine Regeln, nur die Loyalität zu deiner Wahrheit.

        Kinder verlangen viel. Man muss sich selbst immer wieder zurückstecken, seine eigenen Bedürfnisse scheinbar permanent verleugnen. Es ist auf jeden Fall der Mega-Kompromiss! Aber innerhalb dieser Grenzen gibt es noch immer einen gewaltigen Handlungsspielraum. Wir können lernen, uns selbst auf andere Weise auszudrücken, bedingungslos zu lieben, zu dienen und zu schauen, was wirklich die höchste Wahrheit ist, und was nur Ideen unserer Egos! Sein Ding machen kann nämlich vieles heißen..

        Ich glaube, Kinder kommen vor allem, wenn wir noch auf der Suche sind. Sie sind eine Chance zur Heilung.

        Grüße!

        David

        1. Gründe – Unterschreib!

          Lieber David, ich unterschreibe jedes Wort von dir und danke dir ein weiteres Mal für deine brillante Klarheit und für deine schon beinahe unheimliche Gabe, die Wirren der unsichtbaren (geistigen) Welt inkl. den damit verbundenen Fragen mit dem realen Leben hier auf dieser Erde zu verbinden und Dinge zu erklären, für die man meist keine Worte finde. Danke von Herzen. Verdammt, wo nimmst du nur deine Weisheit her? Es sollte mehr von dir geben, dann wäre vieles leichter.

          Ich bin vollkommen deiner Meinung. Es ist ein Auf und Ab, ein Scheitern und wieder Aufstehen. Ich bin jedoch nicht der Meinung, dass ein Leben mit Kindern an unserer Seite irgendwie in die Richtung Scheitern geht. Scheitern tun wir Erwachsenen höchstens an unserem unfreien Denken oder an unserer Unfähigkeit, loszulassen (dies beschreibt mich und meine Wirren des Lebens, nicht dass ich dir hier zu nahe trete 🙂 ).

          Kinder sind so liebevoll, so unvoreingenommen, so glücklich, so frei, so strahlend, so fröhlich, sie geben uns so viel und zeigen uns immer wieder, wo es lang geht und wo wir endlich auf unser Herz hören sollen. Natürlich fordern sie uns auch immer wieder richtig, aber wie sollten wir ansonsten wachsen? Wie sollten wir aus unserem Angst- und Sicherheitsdenken herauskommen, wenn uns nicht immer wieder andere Menschen herausfordern und an unsere Grenzen bringen, und oft auch darüber hinaus. Kinder haben diese Gabe, denn sie können ja auch noch nicht abschätzen, was zu weit geht oder nicht. Obwohl dies auch so eine Wertung ist, was zu weit geht. Bisher haben alle Eltern, die ich kenne, alle Situationen gemeistert, in denen sie ihre Kinder richtig gefordert haben. Mal mehr, mal weniger, aber es ging, also war nichts zu weit. Wie du richtig schreibst, sind Kinder bei den Menschen "vorhanden", die noch auf der Suche sind. Hmmmm ….. dann ist ja eigentlich die ganze Menschheit auf der Suche. 🙂 Stimmt, danke für deinen Hinweis. 🙂

          @ Serena: Es stimmt wie David schreibt, es gibt keine Regeln, für jeden Menschen gibt es einen eigenen Weg nach Hause. Ob mit oder ohne Kinder. Kinder sind jedoch eine wirklich wundervolle Begleitung. Sobald ein Kind da ist, entwickelt jeder Mensch, vornehmlich natürlich die Mutter, eine unglaublich innige Beziehung zu diesem kleinen Wesen. Es stellt sich dann nicht mehr die Frage, ob meine "Erleuchtung" nicht doch ohne Kind besser vorankommt. Die Aufmerksamkeit wird natürlich zu einem Großteil von meinem Kind beansprucht, das ist klar. Das, was du dafür zurückbekommst, wofür du so viel gibst, ist jedoch auf keinen Fall vergleichbar, es kann mit Worten nicht beschrieben werden. Und die Kinder der heutigen Zeit sind so frei in ihrem ganzen Wesen und so verbunden mit dieser göttlichen Kraft, dass sie uns oft verbohrten Erwachsenen mühelos zeigen, wie wir unsere Erleuchtung viel leichter erleben können.

          Voraussetzung ist meiner Meinung nach auch, dass man klare Grenzen und Richtlinien aufstellt und sieht, dass diese so gut es geht eingehalten werden. Sonst fängt ein Kind dir auf der Nase rumtanzen an und du gehst echt unter, denn Energie haben die "kleinen Dinger" wirklich unendlich. 🙂 Da scheitert man mit seinem Latein dann doch schon mal. Aber macht ja nichts, dafür haben wir 2 Beine, um wieder aufzustehen. 🙂

          Ich bin eher der Fan von konventionellen Beziehungen. David hat das mal sehr gut beschrieben in einem seiner vielen wunderbaren Texte. Ich gehe hier auch mal davon aus, dass der Partner/die Partnerin in meinem Leben mein Herz so erobert hat, dass sich die Frage nach dem Sinn dieser Beziehung gar nicht stellt. Man weint, schreit, streitet, wächst, fällt, liebt, lacht, hasst, vergibt zusammen und geht immer wieder auseinander (manchmal reicht hier schon eine sehr kleine Zeitspanne), um dann wieder – wie ein Pendel – zum anderen hinzuschwingen. Und diese Schwingungen werden mit fortschreitenderem Klarwerden der ganzen Fragen weniger, so hatte es David schön beschrieben, und so sehe ich das auch.

          Also ich kann mit einem Menschen nur die Form "Herz an Herz" leben, etwas das sich "geringer" anfühlt, ist für mich schwierig umzusetzen als Paar, da fehlt mir dann etwas Elementares. Es erfüllt mich auf Dauer nicht. Überhaupt in der heutigen Zeit, wo alles aus dem Gefüge gerät und Beziehungen, die nicht der Liebe und dem gegenseitigen Unterstützen beim Wachsen dienen, auseinanderbrechen wie einstürzende Kartenhäuser. Wenn eine Frau mein Herz erobert hat und darin wohnt (natürlich muss das auch umgekehrt der Fall sein), ist das Thema für mich erledigt. Vielleicht ist das altmodisch, aber die tiefe, wahre und völlige Verbindung der beiden Seelen vorausgesetzt, brauche ich nichts anderes, und stelle dann auch nichts in Frage.

          Ich hoffe, ich konnte etwas zu deinen Fragen beitragen und habe auch dein Thema richtig beantwortet.

          Alles Liebe für dich und eine wunderbare Zeit!

          Michael

           

          1. Danke

            Lieber David, lieber Michael,

             

            vielen Dank für eure Antworten.

            David, für deine klaren Worte, die mir eine Idee davon gegeben haben, wie es denn im Alltag mit Kind und der Partnerschaft  funktionieren kann. Und auch noch mal danke für deinen Hinweis, dass es eben nicht immer klappt. Dass auch das Scheitern dazu gehört.

            Dennoch bleibt eine Verständnisschwierigkeit, denn wie du sagst, ist es der Mega-Kompromiss. Du meinst jedoch, innerhalb der Grenzen ist da noch was drin, wo ich dann wieder meine Wahrheit leben kann. Hast du irgendein Beispiel? Ich kann mir diesen "Handlungsspielraum" bzw. dessen Größe einfach nicht vorstellen.

             

            Michael, du hast mir in Erinnerung gerufen, wie ich die Kinder in meiner Umgebung erlebe und wie oft ich tatsächlich genau das spüre, was du beschreibst, nämlich dass wir keine besseren Lehrer an der Hand haben können. Mangels eigener Kinder habe ich das nur nicht täglich vor Augen. Ich mag deine Beschreibung von "Herz an Herz" leben. Das drückt ziemlich genau das aus, was ich fühle.

            Eure Kommentare haben für mich etwas Entspannung in das Ganze gebracht, was viel wert ist!

             

            Liebe Grüße,

            Serena

          2. Kinder usw

            Liebe Serena!

            Danke, dass du auch gerne "Herz an Herz" lebst. 🙂 Für mich ist das die einzige Form, mit der man in einer Partnerschaft leben kann. Ich möchte gerne das Thema aufgreifen, das ich gestern nicht ganz beantwortet habe. Und zwar deine Frage des eigenen Handlungsspielraumes, der eigenen Freiheit.

            Also als erstes, es ist ein Megakompromiss, das stimmt. Aber du gehst diesen Kompromiss gerne ein und du wirst nichts in Frage stellen bezüglich deines Kindes. Das ist meine Erfahrung. Es fühlt sich für mich auch nicht unbedingt an wie ein Kompromiss, sondern eher als Bereicherung in meinem Leben. Jedoch andererseits muss man Abstriche machen, aber wie gesagt es bleibt die Frage, ob dies Abstriche sind oder ob es das Leben ungemein bereichert. Ich bin einfach von Herzen gerne da für diese kleinen Wesen, die so unglaublich sind, dass ich jeden Tag aufs Neue aus dem Staunen nicht mehr herauskomme. 🙂 Es ist oft anstrengend, aber es ist für mich die nächste Stufe sozusagen in meinem Leben, wo ich viel lernen und erleben darf, um mich weiterzuentwickeln. Und ich glaube, dass sich ab einem gewissen Alter jeder Mensch die Frage stellt, was jetzt noch alles kommen kann oder soll, nachdem er schon so ziemlich viel erlebt hat. Auch das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Ob dann ein Kind folgt oder nicht, sei dahingestellt. Jeder entscheidet ganz individuell, wie er leben oder sich weiterentwickeln möchte.

            Auf die Gefahr hin, jetzt zu weltlich zu erscheinen, möchte ich versuchen, es kurz und einfach auszudrücken. Wenn ein Mensch beziehungs- und arbeitstechnisch (die beiden Haupt-Spielfelder in unserem Leben) schon einiges erlebt hat und nach diversen Höhen, Tiefen und Rückschlägen im Leben einigermassen zu sich selbst gefunden hat, was kommt dann? Ich habe (so habe ich es auch erlebt) bei dir das Gefühl, dass du sehr gut im Leben stehst und bodenständig mit deiner Spiritualität umgehst. Du kennst die Wahrheit und du weisst genau, wo es lang geht, wenn du "nach Hause" möchtest. Nun hast du, wie ich lese, auch einen sehr lieben Seelenpartner gefunden, wofür ich mich von Herzen für dich freue, denn das ist das schönste Geschenk in diesem Leben. Nun stellt sich für dich die Frage: Und was jetzt? Was ich nicht befürworte, ist die Art und Weise, wie viele Menschen Eltern werden, nämlich aus dem Grund, weil es die restliche Familie erwartet, weil man sonst zu alt dafür wird und weil es jeder irgendwann so macht. Das ist Käse und führt dann zu diesen eingefahrenen Beziehungen und verbitterten Lebensweisen, wie du sie befürchtest. Jeder lebt so irgendwie, für das oder die Kinder, keine Zeit für den Partner und für sich selbst, die eigenen Bedürfnisse so weit weg wie nie zuvor.

            Ein Kind entsteht am besten im Herzen. Du wirst wissen, ob du es definitiv möchtest, wie David gesagt hat, dann wird es auch nur diesen Weg geben. Dann fällt dir auch die Entscheidung leicht. Dann ist es auch OK, nachher auf Dinge zu verzichten, die für dich jetzt unverzichtbar sind. Es wird sich viel verschieben in deinem Blickwinkel, viele Sachen sind dann völlig unwichtig. Sachen, die ich meinte, noch unbedingt in diesem Leben lernen zu müssen, sind für mich nebensächlich geworden, denn ich lerne genau diese durch meine Kinder viel besser und praxisnaher, als ich es in irgendeinem Retreat oder Satsang je vemittelt bekommen könnte. Ein Kind ist für mich der direkt Draht zur geistigen Welt, und wenn ich bereit bin, mit dem Herzen hinzusehen, dann kann ich davon enorm profitieren.

            Eines möchte ich noch sagen, was sehr wichtig ist. Es gehören beide Elternteile dazu, das Leben mit einem Kind so zu meistern, dass noch Zeit für Gemeinsamkeit bleibt. Wenn der Mann zu Hause der Frau entsprechend unter die Arme greift, ist die Arbeit, die zum täglichen Leben daheim dazugehört, doppelt so schnell erledigt, und es bleibt genug Zeit für die Dinge, die du angesprochen hast.

            So, ich hoffe, ich konnte die Entspannung für dich noch erhöhen 🙂 und wünsche dir alles Liebe!

            Michael

          3. Kinder usw.

            Lieber Michael,

             

            ja, du hast mich noch mehr entspannt 🙂

             

            Wunderbar finde ich deine Formulierung „Ein Kind entsteht am besten im Herzen“. Das ist im Grunde genau meine Einstellung, nur hätte ich es nicht so formulieren können. Ein Kind um irgendwelche Erwartungen anderer zu erfüllen – das ist längst abgehakt. Kommt gar nicht in Frage!

             

            Damit aber stellt sich die nächste Frage nach dem „Kommt es dann überhaupt in Frage?“ Mein Herz sagt dazu „ja, aber nicht zu diesem Zeitpunkt“. Es sind andere Dinge vorher zu klären, bei mir selbst und auch bei meinem Partner. Jeder für sich und doch mit der Hilfe des Anderen, der durch seine Spiegelfunktion die Aufgaben stets auf dem Silbertablett serviert 😉 Und ja, du hast absolut recht, es ist das größte Geschenk diesem „Zweiten Ich“ begegnet zu sein. Und das alles in vollem Bewusstsein darüber zu erleben, ist ebenfalls ein Geschenk.

             

            Dir auch alles Liebe,

            Serena

      2. Hingabe Hingabe und nochmals HIngabe

        Liebe Serena,

        dank Kind komme ich erst jetzt dazu, Dir hier zu antworten…*lach* Du hast da für mich ein sehr interessantes Thema aufgeworfen, eine Frage, die so wie ich es wahrnehme, vielfach verdrängt, beschönigt oder ausgegrenzt wird. Ich kann dir als Mutter einer fast vierjährigen Tochter sagen: es ist der direkte Weg zu Hingabe, wenn man es zuläßt. Für mich ist mit dem Kind nichts mehr so gewesen wie zuvor. In vielerlei Hinsicht auch die absolute Befreiung, vor allem, wenn man in Bezug auf Kinder oft zuerst an all die Dinge denkt, die man nicht mehr tun kann, an die Einschränkungen und den Verzicht. Mein Kind hat mich befreit vom Planen, weil sie sich nicht planen lassen, sie hat mich befreit von Ordnungs- und Kontrollwahn und von so vielen unnützen Marotten, die mir den Alltag beschränkten und mich hinderten, den Fluß den Lebens zu spüren. Aber es wäre gelogen, zu sagen, dass sie nicht auch viel Verzicht verlangen. Und da kommen wir wieder zur Hingabe. Ich habe lange gehadert mit den Gedanken, wie mein Leben wohl ohne Kind wäre. Schlußendlich, nach langen Prozessen habe ich mich wirklich auf diese umwälzende Lebenserfahrung eingelassen und mich hingegeben. Zum ersten Mal in meinem Leben wirklich angefangen bedingungslos zu lieben und ich spüre, erst dieser Schritt, in einem tiefen Lernprozess, angestoßen durch meine Mutterschaft, hat mich erwachsen werden lassen, mich meiner Weiblichkeit wirklich näher gebracht.

        Was "mein Ding" machen betrifft, es ist eine Gradwanderung und doch erlebe ich gerade mehr als all die Jahre zuvor, dass Kinder oft als Entschuldigung genommen werden, genau dieses "sein Ding" nicht zu tun. Es ist auch mit einem Kind möglich, in deiner eigenen Energie zu bleiben, unabhängig zu leben, es ist sogar möglich, dir Auszeiten zu nehmen, ich erlebe an mir selbst, dass es viel weniger das Kind ist, was einem diese Auszeiten unmöglich macht, als die Tatsache, dass ich Verantwortung für mich selbst übernehme. Wenn ich das tue, ist es mir möglich, gut für mich zu sorgen, und wenn es nur zwischendurch zehn Minuten der Meditation sind, in denen ich meine Tochter bitte, mich kurz in Ruhe zu lassen. Und auch als Paar ist es möglich, qualitativ hochwertig Zeit zu verbringen, auch wenn dies zeitlich begrenzt ist und vor allem spontan nicht sooft geht, so ist es doch vor allem eine Frage des Wollens. 

        Ja, unser Kind bringt mich immer wieder an meine Grenzen. Aber nur dank dieser Tatsache bin ich mir so vieler selbstauferlegter Grenzen überhaupt erst bewusst geworden und konnte sie immer weiter verschieben, einige wirklich beengende sogar ganz auflösen. Ich bin unendlich dankbar für diese Erfahrung, auch wenn es manchmal Kraft und Nerven kostet, so hat mich nichts in meinem Leben bisher mir selbst näher gebracht –  in so kurzer Zeit. 

        Alles Liebe für Dich!

        Jasmin

        1. Kinder

          Liebe Jasmin,

           

          dein inneres Wachsen anhand deines Kindes hast du ja schon in einigen anderen Beiträgen beschrieben, die mir eine Welt gezeigt haben, für die es sich wirklich lohnt, seine Ängste zu überwinden. Deine Texte haben mich oft bereichert und dafür danke ich dir! Warum schreibst du eigentlich nicht auch in der „Sein“? Würde ich sehr gut finden! Aber ich ahne es schon fast… keine Zeit…

           

          Das Hadern mit den Gedanken Kind ja/nein kenne ich nur zu gut. Es hat mich einige Jahre beschäftigt. Und genau in dieser Zeit wollte sich einfach kein Mann für mich interessieren… Wie auch, ich war ja absolut zu innerlich, gefangen in meinem Zwiespalt…Irgendwann habe ich Frieden mit dem Gedanken geschlossen, es könnte für mich in diesem Leben kein Kind geben, was mich dann endlich entspannter sein ließ. Ich dachte mir, ich genieße jetzt genau die Freiheiten, die ich mit Kind nicht hätte und den Rest überlasse ich dem Schicksal.

           

          Kurz danach traf ich dann meinen Seelengefährten, der mir schon beim Kennenlernen sagte, er will aber keine Kinder! Lach! Gut, dass ich damit gerade kein Thema hatte. So konnten wir uns beide auf diese Beziehung einlassen. Und es hat sich noch nie so richtig angefühlt. Es ist diese tiefe Verbindung, bei der Zeit & Raum verschwinden und die immer da ist, egal ob man gerade zusammen ist oder nicht.

           

          Leider erlebe ich in meinem Umfeld/Freundeskreis hauptsächlich junge Familien, die mit Geburt der Kinder ihr eigenes Leben und die Partnerschaft in eine Sackgasse manövrieren und ewig am Rande des Nervenzusammenbruchs stehen. Diese Horrorszenarien vor Augen bin ich oft froh, dass ich eben kein Kind habe. Andererseits gibt es natürlich auch andere Erlebnisse mit Kindern, bei denen mir sofort das Herz aufgeht und wo ich merke, wie glücklich ich in diesen Momenten bin und was mir da entgeht.

           

          Bei den 2 Müttern, die ich kenne, die auch mit Kindern entspannt ihren Weg weiter gehen, sind die Männer jeweils nicht mehr an deren Seite. Diese beiden Freundinnen haben allerdings auch sehr große Unterstützung durch ihre Familien, also die Omas bzw. die Geschwister. Aber die Kinder müssen eben auch viel zurückstecken, was vielleicht gut ist, vielleicht nicht. Ich erlebe ja den Alltag nicht, sondern bekomme vieles nur am Rande mit und kann das daher nicht einschätzen.

           

          Ich würde gern die schöne Vorstellung von Kind UND „ich selbst sein“ noch mehr verinnerlichen und freue mich über jedes Paar in meiner Umgebung, wo das funktioniert. Deshalb finde ich genau eure Erfahrungen so wertvoll. Schön, dass ihr diese mit uns teilt.

           

          Alles Liebe,

          Serena

  2. …gemeisam frei sein – Beziehungen im Wandel
    ist mir im hier und jetzt möglich, wenn es mir gelingt die „eigene Freiheit“ und die sich hieraus ergebenden „gesellschaftlichen Konsequenzen“ zu tragen. Wenn ich das möglich werden lasse, entsteht für mich „meine gemeinsame Freiheit“ mit allem dem was mich umgibt 😉

  3. Liebe Jasmin,
    gern will ich

    Liebe Jasmin,

    gern will ich hier schreiben, wie sehr mich dieser Aufsatz berührt hat und mir auch Klarheit verschaft hat.

    Vor einem knappen Jahr wurde in mir der Wunsch immer stärker, mit einer Frau die Liebe zu leben, in der "neuen Energie" – frei von Projektionen, Schuldzuweisungen und DU-Botschaften. Da mir das nicht gelungen ist, bis hierher, habe ich auch angefangen an mir selbst zu zweifeln und in Erwägung gezogen, dass ich vielleicht nicht beziehungsfähig bin. Mein Ansinnen war/ist es SEIN-ZULASSEN und der Anspruch, so genommen zu werden, wie ich bin. Mit meinem Gegenüber wollte ich es genauso handhaben. Mir war sehr klar, dass das Leben eine Sinuskurve ist, mit Höhen UND Tiefen, was in meiner Wahrnehmung, in einer Beziehung genauso ist und das wollte ich auch so annehmen, in dem Bewusstsein, dass gerade die Reibungen, die Unterschiedlichkeiten, Potenzial zum Wachsen in sich tragen. Und ich war bereit zu geben – alles zu geben, auch mich selbst, was ich getan habe. Es hat nicht gereicht, es war zu wenig, denn die Phase der Verliebtheit wechselt irgendwann in den Alltag und genau dort ist dann die Annahme der Dinge gefragt, die nichts mehr mit Verliebtheit zu tun haben, wohl aber das Potenzial der Entwicklung gesehen werden will.

    Wir alle hängen noch immer mehr oder weniger in alten Mustern, was ja nicht schlimm ist, wenn wir erkennen, dass diese Dinge mit der neuen Energie nichts zu tun haben und in Liebe damit umgehen. In meiner Wahrnehmung wird es aber zunehmend kritisch, wenn sich einer von beiden, oder sogar beide verbiegen und nicht mehr authentisch sind, um die Beziehung aufrecht zu erhalten. Du schreibst, dass es oberste Priorität hat, die eigene Wahrheit uneingeschränkt zu leben. Wenn diese individuelle Wahrheit von Liebe getragen ist, gibt es keinen Grund mehr, an sich selbst zu zweifeln und so habe ich für mich beschlossen, lieber allein zu sein, als diesen Beziehungskrieg, in der alten Energie, mit all ihren Illusionen, immer wieder neu aufzulegen. Vielleicht erlebe ich in diesem Leben noch eine authentische Verbindung, mit einem weiblichen Wesen und wenn nicht, habe ich in jedem Fall mich selbst und ein starkes Gefühl von Freiheit und Authentizität.

    Noch einmal sage ich dir meinen Dank und fühle mich liebevoll verbunden mit dir in der neuen Energie.

    Fred 

  4. Schöner Artikel, vielen

    Schöner Artikel, vielen Dank.

    Das Einzige, was ich noch dazu anmerken möchte ist, dass wir ja auch immer eine Beziehung zu uns selber haben. Was ich von mir kenne und von dem Rundumblick durch Freundeskreis und Welt, das zeigt mir, dass ich ja nicht nur dem anderen ein bestimmtes Bild von mir zeigen möchte, sondern und vor allem auch mir selbst ein bestimmtes Bild von mir zeigen, wie ich mich  besonders lieb hab. Oder toll finde. Auf jeden Fall ein Bild, dass die Seiten von mir kaschiert, die ich nicht mag oder für die ich mich schäme oder die mir Angst machen oder…

    Vielleicht ist ja der Rocker auch nicht echt und die Hippiefrau auch nur der Versuch, mir selbst und anderen eine Rolle oder ein Image vorzugaukeln, dass ich zumindest besser finde als mich selbst.

    Und dann gibt es immer wieder den Schmerz, dass mich ein anderer vielleicht liebt, zumindest teilweise, aber nicht so, wie ich mich selbst liebe, bzw. einfach nicht das gleiche Bild von mir toll finden will, dass ich toll finde.

    Mir reicht es oft schon, eine wahrhaftige Beziehung mit mir selber zu haben. Und ich finde die Frage lohnenswert, wer denn da ich ist und wer "mir". Wenn ich das wirklich zulasse, ist die Beziehung zu einem anderen gar nicht so schwierig. Ich kann dem wahrscheinlich dreimal am Tag ähnliche Peinlichkeiten, Ängste und Entlarvungen erzählen wie mir selber auch. Da geht es dann höchstens noch um die narzisstische Kränkung, dass es bei all diesen Stories und Filmen nicht um den anderen geht. Auch nicht der leckerste Schmerz =D

    Und ja, der Raum wirklicher Intimität ist eh dahinter.

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